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10. November 2026
Content & Creative Production

AI demokratisiert Möglichkeiten. Nicht Qualität.

Bernhard Schnellmann
Bernhard Reinhold SchnellmannContent Consultant
farner bootcamp

Bootcamp zum 75-jährigen Jubiläum von Farner, oder wie AI Möglichkeiten demokratisiert. Nicht Qualität.

Mit AI können wir heute Dinge umsetzen, die vorher viel zu teuer oder schlichtweg unmöglich gewesen wären. Das ist an sich eine grossartige neue Entwicklung. Gerade in der kreativen Arbeit eröffnet das Möglichkeiten, die wir erst langsam wirklich nutzen lernen und uns erlauben, neue Wege zu gehen und unsere Kreativität neu zu kalibrieren und bestenfalls zu erweitern. Gleichzeitig wird dabei allerdings gerne übersprungen (oder willentlich übersehen), was zwischen «Ich kann das jetzt machen» und einem guten Ergebnis liegt. Genau das wollten wir in dem AI-Workshop zeigen, den BlueGlass | Team Farner für das Bootcamp zum 75-jährigen Jubiläum von Farner konzipiert und geleitet hat.

Ein Tag voller Experimente und neuer Möglichkeiten

Der Tag war so aufgebaut, dass die Teilnehmenden zuerst einmal in die unendliche AI-See stechen und alle Möglichkeiten nutzen konnten. Jede Gruppe bekam ein Briefing für eine fiktive Marke und entwickelte daraus eine Kampagne. Von der Zielgruppenanalyse über die Pressemitteilung, Ad Copies und Creatives bis zur Konfiguration eines Chatbots. Die Teams konnten ausprobieren, kreativ sein und mit AI Dinge produzieren, für die sie sonst auf das Know-how verschiedener Spezialistinnen und Spezialisten angewiesen wären. Kurz: Sie sollten die besten Seiten der durch  AI unterstützten Arbeit kennenlernen. Absoluter Hype und Support.

AI Asset

Ein durch Bootcamp-Teilnehmende und mithilfe von AI kreiertes Asset.

Damit das Ganze über die Produktion einzelner Inhalte hinausging, haben wir eigens für diesen Workshop LOOP entwickelt. Eine AI-gestützte Kampagnen- und Social-Media-Simulation von BlueGlass, in der die Teams ihre Kampagnen in einem nachgebauten Meta Ads Manager zusammenstellten. Dazu gehörte auch «Sunny», ein Chatbot, dem sie Anweisungen für den Umgang mit der Community geben konnten.

Es entstand richtig cooles Zeug. Wir hatten Content für alles, konnten sämtliche Placements besetzen und die Ideen aus den Briefings umsetzen. Das Gefühl war: Wir haben geliefert. Briefing erfüllt.

Dann ab in die Mittagspause.

Die Realitätsprüfung: Wenn die Simulation analysiert

Während der Mittagspause wurden die Kampagnen innerhalb der Simulation veröffentlicht und von LOOP analysiert. Von der Pressemitteilung über die Creatives bis hin zur Interaktion von Sunny mit der Community wurde alles einbezogen. Die Teams bekamen simulierte Reaktionen zurück und mussten sich damit auseinandersetzen, wie ihre Arbeit ausserhalb des eigenen Briefings verstanden werden könnte.

Die Analyse war brutal.

Was vorher noch überzeugend gewirkt hatte, musste jetzt kritischen Fragen standhalten. Passt die Kampagne zur Marke? Was versprechen wir hier eigentlich? Und was macht unser Chatbot aus den Anweisungen, die wir ihm gegeben haben?

Es ist doch Arbeit in die Kampagne geflossen, und das ist jetzt alles nichtig? Habe ich AI zu sehr vertraut?

Output AI

Der Output der AI wurde in der Simulation in der Luft zerrissen.

Die Teams konnten nach einem kurzen Verschnaufer darauf reagieren, ihre Inhalte überarbeiten und Sunny neu instruieren. Genau dafür war LOOP gebaut: um die eigene Arbeit durch diesen ganzen Prozess zu begleiten und Entscheidungen mitsamt ihren möglichen Folgen erlebbar zu machen.

Für mich steckt darin ein wesentlicher Punkt im Umgang mit AI. Sie nimmt uns Arbeit ab und erweitert unsere Möglichkeiten enorm. Aber es ist nicht umsonst. Es braucht Expertise und eine klare Auseinandersetzung mit der Materie. Wir müssen einschätzen können, was wir da produzieren, wo etwas fehlt und wann ein Ergebnis zwar gut aussieht, aber inhaltlich nicht trägt.

AI heisst deshalb auch nicht automatisch nur «schneller» oder «günstiger». Wer ohne klare Vorstellung davon optimiert, was erhalten bleiben muss, optimiert einer Marke unter Umständen ihre Eigenheiten weg. Dann haben wir am Ende mehr Content und weniger von dem, was uns unterscheidet.

AI benötigt bewusstes Denken

Ohne Expertise, kritisches Denken und bewusste Entscheidungen skaliert AI vor allem eines: Fehler.

AI heisst nicht automatisch nur «schneller» oder «günstiger». Wer ohne klare Vorstellung davon optimiert, was erhalten bleiben muss, optimiert einer Marke unter Umständen ihre Eigenheiten weg. Dann haben wir am Ende mehr Content und weniger von dem, was uns unterscheidet. 

Expertise schlägt reine Effizienz

Mich interessiert, wie wir AI dort einsetzen können, wo wir heute am meisten Zeit verschwenden, und was mit dieser gewonnenen Zeit möglich wird. Eine Idee weiterentwickeln. Etwas ausprobieren, das bisher ausserhalb des Budgets lag. Mehr Aufmerksamkeit in die Entscheidungen stecken, die tatsächlich einen Unterschied machen. Und uns dadurch mehr auf unsere Stärken konzentrieren, statt auf die wiederkehrenden Prozesse, die uns davon abhalten, wirklich cooles Zeug zu machen.

Bootcamp Gruppenfoto

Die Teilnehmenden des Bootcamps haben es geschafft und sind geschafft. Der Spass am Austausch, Experimentieren und Tüfteln war ihnen dennoch anzusehen.

Das war auch mein Anspruch an diesen Workshop. Die Teilnehmenden sollten die Möglichkeiten selbst nutzen und gleichzeitig erfahren, wo ihr eigenes Urteilsvermögen gefragt ist.

Denn alle Placements zu besetzen, ist inzwischen der einfachere Teil. Zu wissen, was wir dort zeigen wollen und warum, bleibt unsere Arbeit.

Aktualisiert am 4. November 2026

Veröffentlicht am 10. November 2026

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Bernhard Schnellmann